Das Blog Dilemma

Das Blog Dilemma

Bloggen ist hipp, ganz ohne Frage – auch wenn in absehbarer zeit die kritische Masse erreicht sein wird und das Blog zum Alltagsmedium wird. Ist es dann noch genau so erstrebenswert wie jetzt, wo man sich durch die neue Digital-Narzistische-Ausdrucksform noch profilieren kann.

Die Frage für mich ist ganz einfach: Wieviel echte Person darf man im Internet zeigen und was sollte im Hinblick auf mögliche Reuevolle-Rückblicke lieber im Kreise von vertrauten Freunden und Feinden bleiben.
In gewissen Weise ist das auch ein paradoxer Gedanke: Was ich jetzt nicht schreibe wird meinen weiteren Lebensweg genauso beeeinflussen, wie das was ich schreibe. Trotzdem erscheint das eine Risiko-reicher als das andere.

Zum Glück studiere ich Psychologie und kann also meine ineffektiven Gedankengänge wenigstens empirisch analysieren. Bei allen „sozialen“ Fähigkeiten wird stets die schlechteste Performance als Maßstab genommen („In Wirklichkeit ist X überhaupt nicht so nett, der tut nur so weil…“), während bei den meisten anderen Fähigkeiten (z.B. Sport) die beste Performance als Maßstab genutzt wird („…jaja aber der kann viel schneller…neulich da…).

In sofern kann also ein „blamabler“ Blogpost die soziale Norm versauen – die Leser vergraulen – mich für ewig als Stümper brandmarken, während der Gegenbeweis eigentlich nie erbracht werden kann.

Auf der anderen Seite wird unsere Gesellschaft wird immer „digitaler“. Viele der grundlegenden sozialen Aktivitäten tauchen auch in der digitalen Welt wieder auf und haben dort eine Entsprechung – mehr noch: Je mehr die Applikationen den analogen „Klatsch&Tratsch“-Prozess nachbauen umso populärer werden sie (z.B. Facebook oder Twitter).

Meine gewagte These ist, dass es in einigen Jahren selbstverständlich ist persönliche Informationen über das Internet abzufragen. In nicht allzuferner Zeit wird eine der Personen-Suchmaschienen einen guten Algorithmus entwickeln (und wird dann von Google aufgekauft). Damit sollte es dann möglich sein wirklich relevante Informationen über eine spezifische Person herauszufinden.

Meine erste Homepage war eigentlich ein persönliches Blog, nur dass es damals noch keinen Namen dafür gab. Damals war ich in Neuseeland und veröffentlichte regelmäßig news vom anderen Ende der Welt (und Fotos natürlich). Damals war natürlich noch alles handgecoded (in notepad) und die ganze Seite (inkl. der Fotos) passte auf eine Diskette. War ja auch schwierig auf dem Land mit dem 36er modem, dass selten mehr dann 2 oder 3 kbyte per Sekunde ausspuckte.

Als ich wieder in Deutschland war begann ich ein neues Projekt: martinm.com. In gewisser Weise dar das eine fortführung des alten Gedanken mit neuen Mitteln (neues Design, eigene domain…). Es blieb allerdings bei Fotos und ohne Texte war die seite dann doch etwas langweilig. Trotzdem sprach meine Mutter von einem „narzistischen Glanzwerk“ – für die Zeit war das auch sicher so.

Dies ist nun ein neuer Versuch meine Persönlichkeit zu kommunizieren, allerdings mit etwas anderen Vorzeichen. Zunächst spricht die Domain für sich selbst: martinmetzmacher.de, das bin wirklich ich. In gewisser Weise sehe ich das als Statement, dass ich bereit bin ein vollständiges Bild meiner Persönlichkeit zu geben – keine Synonyme – keine X und Y Geschichten…

Einer anderer wichtiger Punkt hat mit der Technik zu tun. Die ist mittlerweile so einfach geworden, dass ich von jedem Computer (mit Internet-Anschluss) posten kann – kein notepad-Handgefriemel mehr. Außerdem trage ich seit einiger Zeit das Internet so gut wie immer mit mir rum (in Form eines MSI u100 und eines UMTS sticks). Ich kann also viel Zeit-naher posten als das früher der Fall war.

Ich betrachte diese Seite also als ein Experiment: Was passiert wenn man auf einmal als digitale Persönlichkeit existiert? Wie regieren Andere auf mich, die mich persönlich (live) gar nicht kennen? Interessiert sich überhaupt jemand dafür was ich schreibe?

Ich glaube ich bin an dem Punkt wo ich gut nachgedacht habe und es jetzt nur noch zwei Möglichkeiten gibt: Ausprobieren und sein lassen.

In the light: Letz go!

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